Integrationsfachdienst (IFD) gGmbH

NACHHALTIGE VERMITTLUNG

Dauerhafte Sicherung eines Arbeitsplatzes für Menschen mit geistiger Behinderung

Kurz vor vier Uhr morgens macht sich Andreas S.*) auf den Weg zu „seiner“ Bäckerei. In der Backstube angekommen, wartet viel Arbeit auf ihn: Die Brötchen müssen belegt, der Brezenteig vorbereitet und die Semmeln gerollt werden.



Doch Andreas S. ist kein Bäckermeister. Er ist Bäckerhelfer in der Bäckerei Schmidtkunz in Eysölden und arbeitet dort seit 2009 mit. Zunächst im Rahmen verschiedener Erprobungen und Praktika, ab Herbst 2010 in einem befristeten und seit September 2012 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis. Und Andreas S. hat Lernschwierigkeiten und daher einen be-
sonderen Förderbedarf.

Dank der passenden Rahmenbedingungen für das Arbeits-
verhältnis und der langfristigen Zusammenarbeit aller Betei-
ligten ist es gelungen, den Arbeitsplatz von Andreas S. dauer-
haft zu sichern.

Andreas S. hat 2009 am Projekt „Unterstützte Beschäftigung im Übergang Förderschule - Beruf“ des IFD teilgenommen und damals eine betriebliche Qualifizierung in der Bäckerei Schmidtkunz absolviert. Schon in dieser Phase war er mit ei-
ner hohen Motivation und großem Engagement dabei.

Doch Holger Schmidtkunz, der Inhaber der Bäckerei, war da-
mals skeptisch, ob sich Andreas S. den Anforderungen des Handwerksbetriebs wirklich gewachsen zeigte. Ein wichtiges Kriterium dafür war es beispielsweise, ob er auch über einen längeren Zeitraum die besonderen Arbeitszeiten mit einem Arbeitsbeginn um 4 Uhr morgens durchhält. Aber auch den Hygienebedingungen, die er verstehen und einhalten muss oder der körperlich und geistig anspruchsvollen Tätigkeiten in der Backstube musste sich Andreas S. gewachsen zeigen.

Holger Schmidtkunz und Andreas S. haben deshalb die lange Zeit der betrieblichen Qualifizierung genutzt, um die Anforde-
rungen in der Backstube auf die Fähigkeiten des Praktikanten

*) (Name ist der Redaktion bekannt)
abzustimmen und nach Aufgaben für eine Vollzeittätigkeit zu suchen. Auch noch nach mehreren Monaten konnte Holger Schmidtkunz beobachten, dass Andreas S. seine Arbeitslei-
stung unvermindert einbrachte und er sich gut in das Team einfügte.



Zudem hatte er eine ganze Reihe von Tätigkeiten gefunden, die seinen neuen Mitarbeiter auslasten und ihn entlasten wür-
den.

Schließlich setzten sich Holger Schmidtkunz, Andreas S. mit unserem Integrationsberater Wolfgang Eckmeier und dem Reha-Berater der Agentur für Arbeit an einen Tisch und spra-
chen über die Voraussetzungen, Bedingungen und Unter-
stützungsangebote für die Einstellung als Bäckerhelfer. Die Agentur für Arbeit förderte diese z.B. mit einem Eingliede-
rungszuschuss. Am 1. September 2010 wurde Andreas S. schließlich in Vollzeit als Bäckerhelfer eingestellt.

In den folgenden zwei Jahren haben Wolfgang Eckmeier, Holger Schmidtkunz und Andreas S. engen Kontakt gehalten und sich gegenseitig über die Entwicklung informiert. So er-
fährt der Berater des IFD auch, dass Andreas S. seine Aufga-
ben zwar gut meistert, zwischendurch aber immer wieder Un-
terstützung durch seine Kollegen benötigt. Dazu kommt, dass er bedingt durch seine Behinderung nicht vollkommen eigen-
verantwortlich arbeiten kann. Als Ersatz für den Aufwand, der dem Arbeitgeber dadurch entsteht, hat er beim Integrations-
amt einen Antrag auf Minderleistung gestellt, der ihm auch bewilligt wurde. Daraufhin hat Holger Schmidtkunz Andreas S. unbefristet eingestellt.